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Sam Didier über SC2

„Als Wettkampf-RTS soll

StarCraft 2 den Gipfel

erklimmen!“

Sam Didier ist schon seit 1992 für Blizzard tätig und als Art Director unter anderem für den Grafikstil von StarCraft 2 verantwortlich. Seine Haar- und Bartpracht mögen leicht exzentrisch anmuten, doch er weiß genau, was er und das gesamte Designteam bei StarCraft 2 erreichen wollen: Bloß niemanden verschrecken, der den ersten Teil mochte — aber genug Neues einbauen, um keine Langeweile aufkommen zu lassen.

Jörg: Sam, wärst sehr du beleidigt, wenn ich sagen würde, dass die Grafik von StarCraft 2 – trotz aller 3D- und Lichteffekte – doch stark an das gute alte StarCraft 1 erinnert?

Samwise Didier: Nein, denn wir haben beschlossen, uns schlichtweg keine Mühe zu geben. (lacht) Nein, wir wollten wirklich dem Vermächtnis von StarCraft gerecht werden. Es gibt natürlich subtile Veränderungen an vielen der alten Einheiten. Schließlich willst du auch in einem neuen Star-Wars-Film nicht plötzlich Darth Vader in einem roten Kostüm mit einem Horn auf dem Helm sehen. Du willst Darth Vader sehen! Vielleicht mit einigen Veränderungen, es soll ja nicht langweilig werden. Genau so ist das in StarCraft 2: Der Marine ist und bleibt ein Marine, aber nun trägt er einen Schild und eine Art Laserklinge an seiner Waffe – das ist neu. Der Zelot ist immer noch der Typ in der goldenen Rüstung mit den Kristallen, aber nun hat er diesen Sturmangriff, der ihn taktisch flexibler macht. Wir wollten generell die Grafiken der bekannten Einheiten konsistent zum ersten Teil halten. Wo wir unsere größten Anstrengungen hineingesteckt haben, das sind die neuen Einheiten. Da lassen wir es richtig krachen, etwa beim riesenhaften Thor-Mech der Menschen oder dem gigantischen Colossus der Protoss.

Jörg: StarCraft war in Deutschland sehr beliebt, doch diese Beliebtheit ist nicht damit zu vergleichen, was in Südkorea passiert ist, wo StarCraft noch heute ein sehr beliebter eSport-Titel ist. Mal ehrlich, hättet ihr angesichts der koreanischen Fans, des Starkults und der Wettkämpfe dort überhaupt die Chance gehabt, das Spiel grundlegend zu verändern?

Samwise Didier: Wir wollen selbstverständlich, dass Fans des ersten Teils StarCraft 2 starten und sagen: „Oh, die selben Tastenkürzel funktionieren. Es fühlt sich alles so an wie früher, Aber ich kann jetzt mehr Einheiten in eine Gruppe stecken.“ Und so weiter. Das Spiel soll wie ein guter alter Bekannter wirken. Das Neue kommt über die neuen Einheiten und neue Spielmechaniken – hätten wir nur ein StarCraft mit 3D-Engine fabrizieren wollen, hätten wir das schon vor vielen Jahren tun können! Aber zum Kern deiner Frage: Nein, wir schneidern StarCraft 2 nicht speziell für den koreanischen Markt. Ich glaube, wenn man das bewusst versucht, bringt man sich nur in Schwierigkeiten, weil man falsche Vorstellungen davon hat, was ein bestimmter Markt wirklich will. Es geht darum, das Spiel spaßig, aber auch tiefgründig zu machen – leicht zu erlernen, aber schwer zu meistern. Und das wird hoffentlich allen Spielern gefallen, egal ob sie aus Korea oder Spanien oder Deutschland oder Amerika kommen.

Jörg: Aber es ist schon so, dass StarCraft 2 vor allem als Multiplayer-Titel konzipiert ist?

Samwise Didier: Nein, dem kann ich nicht zustimmen. Klar, der Mehrspieler-Part hilft uns beim Ausbalancieren, er ist unsere Basis. Du kannst schließlich keine Solokampagne designen ohne zu wissen, was die einzelnen Einheiten machen, was sie gut und was sie schlecht können. Das heißt aber nicht, dass uns der Solopart weniger wichtig wäre als der Multiplayermodus.


Jörg: Hat das Echtzeit-Genre seinen Zenit nicht schon erreicht, oder wird ihn spätestens mit StarCraft 2 erreichen? Irgendwie scheinen mittlerweile alle Neuerungen, die man für dieses Genre erfinden kann, bereits verwirklicht zu sein.

Samwise Didier: Wir wollen StarCraft 2 in der Tat zum Höhepunkt der Wettkampf-Echtzeitstrategie machen. Es wird immer wieder neue Ideen im Echtzeit-Genre geben, da habe ich keine Zweifel. Aber in Sachen Wettkampf-RTS soll StarCraft 2 den Gipfel des Genres erklimmen!

Jörg: Und was ist dann deiner Meinung nach der größte Fortschritt von StarCraft 2 im Vergleich zu StarCraft 1?

Samwise Didier: Aus meiner Grafikersicht ist das natürlich die 3D-Engine, wir können damit die Grafik so viel schöner machen! Aber es sind dadurch auch neue Spielfeatures möglich, etwa Höhenunterschiede zwischen den Einheiten, die Auswirkungen auf die Bewegung und den Kampf haben. Die Animationen sind viel schöner geworden, weil wir nicht alles aus jedem Winkel zeichnen müssen, sondern jede Animation nur einmal. Die ist aber dann richtig gut und lebensecht. Wir können viel schneller Dinge ausprobieren und eine Einheit größer oder kleiner oder dicker oder schlanker machen – bei StarCraft 1 mussten wir für so was, aufgrund der Pixel-Engine, jedes Mal die Grafiken komplett neu zeichnen.

Jörg: Wenn StarCraft 2 Ende 2008 herauskommen sollte, sind rund zehn Jahre seit dem ersten Teil vergangen. Blizzard ist ja nun wirklich sehr erfolgreich, aber es scheint euch trotzdem nicht leicht zu fallen, eure großen Serien Diablo, WarCraft und StarCraft gleichzeitig voranzubringen…

Samwise Didier: Es fließen viele Ressourcen in World of WarCraft. Das hat längst ein eigenes, großes Team, doch wenn es Hilfe braucht, springen auch andere ein – es geht da einfach um eine riesige Menge von Content, die für WoW benötigt wird. Generell fokussieren wir uns bei Blizzard sehr auf die einzelnen Spiele, wir wollen einfach, dass jedes so gut wie nur irgendwie möglich wird. Wir könnten alle möglichen Titel herauspumpen, aber sie wären schlecht und niemand würde sie spielen wollen und wir hätten nicht den Ruf, unsere eigenen Spiele zu lieben, und an ihnen bis zur Perfektion zu feilen. Unsere Spiele sind werden erst veröffentlicht, wenn sie wirklich fertig sind! Aus diesen Gründen stellen wir auch Spiele mitten in der Entwicklung ein oder legen sie auf Eis, denk’ nur an das WarCraft-Adventure oder StarCraft Ghost.

Jörg: Ist letzteres nicht in Wahrheit eingestellt?

Samwise Didier: Es ist auf unbestimmte Zeit gestoppt worden. Ich würde mich aber sehr freuen, wenn ich eines Tages dazu zurückkehren könnte.

Jörg: Wird es ein neues WarCraft-Spiel geben?

Samwise Didier: Momentan ist Wrath of the Lich King das nächste WarCraft-Spiel. Ob es ein neues Strategiespiel geben wird im WarCraft-Universum kann ich nicht sagen.

Jörg: Als nächste Serie wäre doch nach StarCraft eigentlich Diablo dran.

Samwise Didier: (lacht) Vielleicht, vielleicht auch nicht.

(c) Jörg Langer