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Die Wii im Praxistest

Nintendos NextGen-Konsole

12 Tage lang getestet

Die Wii lässt sich quer und hoch aufstellen.

Mit einem der besten Starttitel-Portfolios aller Videospiel-Zeiten startete am 8. Dezember der, die oder das Wii in Deutschland. 12 Tage später ziehe ich mal ein ganz persönliches Resümee – inklusive vieler Fakten für alle, die noch keine Wii haben.

Der W-Day

Am 8. Dezember war in Deutschland W-Day, sechs Tage nach dem Japan-Start. Der Preis ist mit rund 250 Euro vergleichsweise günstig (Xbox: ab 290, PS3: ab 500 Euro, bislang nur als Import), wobei bereits die Spielesammlung Wii Sports beiliegt. Die enthält fünf simple Sportspiele wie Tennis, Boxen, Kegeln und Golfen – ideal zum Ausprobieren der neuen Eingabetechniken. Allerdings machen die Sportspiele vor allem im Multiplayer-Modus Spaß (das Tennis-Game hat außer dem Training nicht mal einen richtigen Singleplayer-Part, man spielt immer Doppel). Und bis auf Kegeln und Golfen ist für Mehrspieler-Matches zwingend ein zweiter Wii Controller nötig, der einzeln momentan praktisch nicht zu haben ist (wenn, dann kostet er rund 40 Euro). Besser: Ihn als Teil der Sammlung Wii Play kaufen, für 50 Euro. Fürs Boxen gegen einen Menschen benötigt man aber auch noch einen zweiten Nunchuk-Controller, macht nochmal 20 Euro. Trotzdem: Auch für 300 Euro (Konsole + Wii Play) oder realistisch 350 Euro inklusive eines „richtigen“ Spiels ist das Wii immer noch ein gutes Angebot – allerdings kann man die Xbox 360 in der Standardversion samt eines Budgetspiels schon für etwa 315 Euro bekommen.

Auspacken und Installation

Mit Standfuß, kleiner Plexiglasbodenplatte, zwei Controllern, der Sensorleiste nebst optionalem Plastikhalter, einem riesigen Netzgerät und einigen Kabeln purzelt viel Material aus der Packung. Trotzdem ist die Wii in fünf Minuten installiert. Nach dem Einschalten (am Gerät oder per Wii Controller) blitzt der Laufwerksschacht blau auf, und kurz darauf gibt man die wichtigsten Daten (Sprache etc.) ein. Was mir wirklich Mühe gemacht hat, war die Einrichtung des Internets. Mein WLAN ist natürlich geschützt, und den WEP-Schlüssel kann man nicht per Passphrase eingeben, sondern muss umständlich die Hexdezimal-Werte einhacken. Aber nach insgesamt doch 20 Minuten war auch diese Hürde genommen, und ich konnte loslegen (ich hätte die Internet-Verbindung auch erstmal sein lassen können, aber so bin ich halt). Das Hauptmenü der Wii ist in viele Kästchen unterteilt, jedes steht für ein Downloadspiel oder einen „Kanal“ (dazu später mehr). Die jeweils eingelegte Spiele-Scheibe erscheint im linksoberen Kästchen. Man kann auch Nachrichten von anderen Spielern erhalten oder das Wii Pinboard zum Austausch von News mit Familenangehörigen benutzen – naja.

Vier Spieler an einer Wii? Kostet 120 Euro (3 weitere Controller) extra.

Multimedia-Funktionen darf man von der Wii nur eingeschränkt erwarten. Videos spielt die Konsole gar nicht ab und MP3s nur (sehr unkomfortabel) als Hintergrundmusik im Photo Channel. Letzterer ist dafür Spitzenklasse! Wenn man ihn startet, sucht die Wii auf einer eingesteckten SD Card sowie im internen Speicher (etwa 0,5 GB groß) alle Fotos zusammen und zeigt diese an. Man kann sie nun in einer sehr gut programmierten Diashow (mit sanften Überblendungen sowie automatischen Schwenks und Zooms) anschauen, oder aber mit einem Simpel-Malprogramm verändern. Dort schneide ich dann etwa einen Kopf aus und vergrößere ihn einfach dadurch, dass ich den Controller auf den Fernseher zubewege. Dreht man nun den Controller, dreht sich auch der Ausschnitt — super! Mir hat es auch einigen Spaß gemacht, beliebige Fotos in ein Puzzle mit bis zu 48 Teilen umzuwandeln und sie dann möglichst schnell wieder in den Ursprungszustand zu versetzen.

Starke Launch-Titel

Selten hat eine Konsole so viele starke Launch-Titel ins Feld geführt, auch in Deutschland gibt es bereits diverse Knaller. Einige davon habe ich bereits angespielt, ein paar davon allerdings nur bei einem dreistündigen Besuch des Wii House in London. Dies nur zur Erklärung, wieso es einige Spiele, die ich hier beschreibe, in Deutschland noch nicht gibt. Am längsten gespielt habe ich Zelda The Twilight Princess und das beiliegende Wii Sports, zu beiden unten mehr. Angespielt habe ich unter anderem Tony Hawk’s Downhill Jam, bei der man durch Drehen des Wii Controllers Kunststücke absolviert. Aber ganz ehrlich, mir lag diese Actionsport-Serie noch nie, ich bitte um Vergebung. Excite Truck macht richtig Spaß, der Controller wird quer gehalten und dient als „frei schwebendes“ Lenkrad. Allerdings übersteuert man wahnsinnig leicht und kracht anfänglich dauernd links und rechts in Bäume oder Felswände. WarioWare ist auf dem Wii mindestens so abgedreht wie auf Gameboy Advance oder Nintendo DS: In zahlreichen Ultrakurz-Minispielen, die jeweils nur wenige Sekunden dauern, muss man meist nur eine einzige Handlung gut getimet durchführen, etwa irgendwelche Monster mit einer Fliegenklatsche erschlagen. Es werden vorab immer wieder hilfreiche Anweisungen eingeblendet, wie der Wii Controller gerade zu halten ist.

Bei WiiPlay sind neun Minispiele enthalten, von denen ich vor allem zwei spaßig fand: Das eine ist eine Mischung aus Moorhuhn und Defender, bei dem der Controller zur Luftpistole wird. Man muss auf diverse Gegenstände und die Portraits des Gegenspielers feuern und sollte tunlichst nicht die eigenen Avatare abballern. Gegen Ende werden die Avatare von Ufos entführt, die man schnell abschießen muss, ein herrliches Chaos entsteht. Außerdem gut finde ich das Air-Hockey-Minispiel, auch wenn diese grafisch öde ist. Gar nicht kapiert habe ich die Tischtennis-Einlage, das war mir zu schwer. Zurück zu den „richtigen“ Spielen: NfS Carbon steuert sich einfacher als Excite Truck, aber länger gefahren bin ich bislang noch nicht. Demnächst stehen bei mir Call of Duty 3 und Red Steel an, vor allem von Letzterem erwarte ich mir einiges. Dass man auf Nintendo-Konsolen durchaus Actionspiele zocken kann, hat zuletzt Metroid Prime auf dem DS gezeigt. Insoweit könnte auch Metroid Prime: Corruption klasse werden.

Wii Sports

Golf ist ziemlich schwer, vor allem im Nahbereich.

Wii Sports habe ich mittlerweile bestimmt 15 Stunden gespielt (zumal ich eine dreijährige Tochter habe, die dank simpler Steuerung durchaus mal einen Tennisball übers Netz bekommt). Das klingt vielleicht nicht nach viel, ist aber eine Menge! Schließlich handelt sich dabei wirklich nur um Minispiele, keine ausgewachsenen Simulationen. Ich muss auch sagen, dass Wii Sports eher überschätzt wird. Klar, die Steuerung ist neuartig und macht Spaß, aber als alter Tennisspieler weiß ich, dass zumindest in dieser Sportart das Bildschirmgeschehen nur sehr wenig mit der Wirklichkeit zu tun hat: Ein sauber ausgeführter Longline-Schlag etwa wird fast immer zu einem Cross, ein Lob zu einem Topspin. Entscheidender als die Schlagbewegung ist offensichtlich, wann man den Ball trifft. Bei Baseball spielt man nach vereinfachten Regeln und muss abwechselnd schlagen oder werfen. Golf ist am schwersten, hier ist einige Übung nötig, um nicht aus zehn Metern Entfernung zum Loch einen 50-Meter-Schlag anzusetzen. Bowling ist simpel-spaßig und auch mit einem Controller gut zu zweit absolvierbar. Beim Boxen kam ich sogar richtig ins Schwitzen: Man hält sich Wii Controller und Nunchuk parallel vor Gesicht oder Magen, um Schläge zu blocken, teilt kräftig aus oder kippt den Körper (bzw. wiederum die beiden parallel gehaltenen Controller) nach links und rechts, um auszuweichen.

Zelda: The Twilight Princess

Link (bereits mit Hyrule-Schild) gegen einen Standardgegner.

Von der Zelda-Serie haben sicher auch überzeugte PC-Spieler schon gehört. Es ist eine der dienstältesten und meistverkauften Spieleserien überhaupt. Held ist immer ein grünbekappter Knilch, der aber in der neuesten Fassung Twilight Princess schon fast ein erwachsener Mann ist, sich also vom Kinderlook der Vorgänger weit entfernt hat. Ich würde mich nicht als beinharten Serienfan bezeichnen, aber auf dem Nintendo 64 hat mich erst der unglaublich schwere Wassertempel nach bestimmt 40, 50 Spielstunden abgeschreckt, und Minish Cap auf dem DS habe ich durchgespielt. Twilight Princess ist sicherlich einer der besten Serienteile, aber auch ganz unabhängig davon ein ganz großartiges Spiel! Man fängt in einem kleinen Dorf an und erfüllt die üblichen Botengänge, um ins Spiel zu kommen. Aber viel schneller als erwartet geht es richtig los mit der Handlung, bald reitet man schon hoch zu Ross den Bösewichtern hinter: Der Schattenkönig hat dem Märchenland Hyrule fast alles Licht gestohlen und die gute Prinzession Zelda zur Herrscherin über Ruinen und Schatten degradiert.

Wenn ich nicht wüsste, dass Twilight Princess „nur“ die aufgemotzte Gamecube-Version darstellt, ich hätte es nicht erraten: Die Grafik ist völlig okay bis sehr schön, der Sound fantastisch (nur gibt’s wieder mal keine Sprachausgabe). Vor allem aber die Steuerung wirkt, als könnte sie gar nicht anders sein. Während ich auf DS oder früher auf dem N64 nie wusste, auf welcher Taste jetzt welches Extra liegt, komme ich mit Nunchuk und WiiController problemlos zurecht. Ein Beispiel: Link (so heißt der Held) rennt, ein Gegner springt auf ihn zu. Wer jetzt erschreckt mit der rechten Hand zuckt, hat durch diese Bewegung bereits das Schwert in der Hand, und wer nun kurz den Nunchuk rüttelt, führt einen mächtigen Rundumstreich durch. Bis zu vier Gegenstände lassen sich auf das Steuerkreuz legen; per kleiner Zeigefingertaste am Nunchuk schaltet man jederzeit in die Egoperspektive, mit der großen werden Gegner anvisiert. Die Zeigefingertaste des Wii Controllers setzt den aktuellen Gegenstand ein, so beginnt man zum Beispiel sofort mit der Schleuder oder dem Bogen zu zielen, ohne Unterbrechung oder Drücken mehrerer Tasten.

In Wolfsform (samt mitreitender, nun ja, Schatten-Elfin) hat man neue Fähigkeiten.

Story, Spannungsverlauf und Abwechslung sind bei Twilight Princess vom Feinsten: Zum einen gibt es ein festes Handlungskorsett – man muss immer ein Gebiet (in Wolfsgestalt) von der Dunkelheit befreien, um danach, wieder in Menschenform, den jeweiligen Tempel erreichen. Dort gilt es, einen der drei Schattenkristalle finden — nebst dem üblichen Fallen-Überwinden und Obermotz-Ausschalten. Doch zwischen diesen Muss-Einsätzen gibt es immer wieder Erholungs- und Einkaufphasen, man brettert zu Ross einfach so über die Ebene von Hyrule oder erlebt eine der spannenden Zwischenboss-Einlagen. Ein Beispiel: Nachdem man sich in bester Herr-der-Ringe-1-Manier eine wilde Verfolgungsjagd mit einem Orkhäuptling und dessen ebenfalls berrittener Entourage geliefert hat, kommt es auf einer Hunderte von Metern hohen Felsenbrücke zum Showdown: Der Häuplting rast auf seinem Riesenwildschwein auf uns zu, wir geben unserem treuen Ross die Sporen. Nun gilt es, im letzten Moment vor dem Zusammenprall per Nunchuk-Analogstick zur Seite auszuweichen und gleichzeitig mit dem Wii Controller in die Gegenrichtung, also zum Gegner hin, zu schlagen. Völlig intuitiv! Und völlig befriedigend, wenn der doofe Ork dann in die Tiefe segelt.

Das ist der Oberboss des zweiten Tempels/Spielabschnitts.

Ich könnte hier noch lange über Twilight Princess schreiben, aber dann könnte ich es ja nicht mehr spielen. Bislang habe ich etwas über 20 Stunden auf dem Konto und bin bereits im dritten Gebiet, aber Zelda wäre nicht Zelda, wenn da nicht noch viel mehr vor mir liegen würde (keine Ahnung, nach Weihnachten werde ich’s wissen). Denn auch in diesem neuesten Teil besucht man immer wieder bekannte Gebiete, die aufgrund von neu gefundenen Gegenständen oder frisch erlernten Fähigkeiten plötzlich wieder Neues zu bieten habe, Abkürzungen erlauben oder neue Areale öffnen. Ich möchte soweit gehen und sagen, dass sich 300 Euro für Wii + Twilight Princess sogar dann lohnen, wenn man die Wii nach dem Durchspielen von Letzterem nur noch als Staubfänger einsetzt. So toll ist dieses Spiel!

Bedienungsrevolution

Nachdem ich sie schon mehrfach erwähnt habe, möchte ich die beiden Controller etwas genauer vorstellen: In der rechten Hand hält der Spieler den drahtlosen Wii Controller, der über ein Kabel mit dem Nunchuk getauften zweiten Controller in der linken Hand verbunden ist. Der Begriff stammt von „Nunchaku“, einer in Deutschland verbotenen Martial-Arts-Waffe. Beide Controller verfügen über einen Beschleunigungsmesser, der die Bewegungen der Hand in drei Richtungen sowie die Neigung misst. Bei vielen Spielen steuert der Daumen der linken Hand die Fortbewegung, während man mit der rechten schlägt, schwingt, stößt oder schiebt. Es sind diverse günstige Zusatzgeräte wie Lenkrad oder Pistole geplant, die nur aus einer Plastikform bestehen, in die man den Wii Controller einsetzt.

Starkes Team: Links Nunchuk, rechts Wii Controller.

Die beiliegende Sensorenleiste wird auf oder unter dem Fernseher platziert und sendet bei entsprechenden Spielen mittels acht Dioden Infrarot-Strahlen aus. Die werden vom Wii Controller per Fotochip erfasst und ausgewertet, so dass sich gezielt bestimmte Stellen auf dem Bildschirm anvisieren lassen. So mutiert der Controller zur Pistole, zur Sprühflasche oder zum Steuerknüppel eines Raumschiffs. Bis zu vier Eingabegeräte können gleichzeitig via drahtloser Bluetooth-Verbindung verwendet werden. Der normalerweise wie eine TV-Fernsteuerung gehaltene Wii Controller lässt sich, um 90 Grad gedreht, auch als Gamepad nutzen. Er enthält einen kleinen Lautsprecher, der etwa das Spannen des Bogens bei Zelda akustisch unterstreicht. Betrieben wird das Eingabegerät mit zwei AA-Batterien, mein erster Satz ist nach etwa 50 Stunden Dauernutzung immer noch zu 20 Prozent voll (man sieht den Batteriestand, wenn man im per Controller-Taste jederzeit zugänglichen Pausenmenü mit dem Zeiger nach unten fährt). Gerade das Zielen auf den Bildschirm funktioniert erstaunlich gut, selbst das Zusammenklicken eines Spielstandnamens gelingt bald deutlich schneller als mit herkömmlichen Gamepads. Nur wenn man zu seitlich vom Fernseher sitzt, bekommt man Probleme. Ebenfalls blöd: Bei den meisten Spielen verschwindet der Mauszeiger, wenn er „aus dem Fernsehbild herausrutscht“, man also nicht ganz sauber auf den Bildschirm zeigt. Besser wäre es, die letzte gültige Position bliebe am Rand markiert, sodass man weiß, wohin man mit dem Controller zeigen muss, um wieder ins Bild zu kommen.

Viel „ii“ beim Wii

Nintendo wirft mit Konsonantendopplungen nur so um sich. Hinter dem Begriff Mii steckt der Avatar des Spielers, den man sich aus mehreren Bausteinen wie Kopfform, Augen oder Haare zusammenbastelt. Bei manchen Games wie WiiSports oder WiiPlay taucht der Mii-Avatar dann als Spielfigur auf. Der Clou: Er wird, zusammen mit spielerspezifischen Voreinstellungen, auf Wunsch direkt im Wii Controller gespeichert, sodass man ihn (und neun weitere Avatare) auch zu Freunden mitnehmen kann. Im zugehörigen Mii Channel kann man dann seine Avatare aufmarschieren und nach bestimmten Gesichtspunkten ordnen. Bei meinen beiden Töchtern (3 und 1 Jahre) ist das der Höhepunkt der ganzen Wii-Konsole. Wir haben mittlerweile die ganze nähere und fernere Verwandtschaft als Avatare abgebildet. Besonders schön: wenn man einen Wii per Controller hochnimmt, wird er vergrößert und zappelt ganz wild…

WiiPoints heißt die Micropayment-Währung für den eingebauten Shopping-Kanal (via WLAN zum Internet-Router). Ein WiiPoint entspricht genau 1 Euro-Cent und 1 US-Cent. Das ist schreiend unfair, denn schließlich ist der Euro zurzeit rund 30 Prozent mehr wert als der Dollar. Die Points kauft man per Kreditkarte oder im Spieleladen und lädt dann im Wii-Shop Classic Games runter. Bislang gibt es etwa 25 Stück, ich habe mir gleich mal Donkey Kong und das Ur-Zelda geleistet. Ist schon lustig, aber mit je 5 Euro (und die neueren Spiele kosten bis zu 10 Euro) doch recht teuer. Wöchentlich soll die Palette erweitert werden, mit Spielen für NES, SNES, Nintendo 64, Sega Mega Drive, Sega Genesis, NEC PC Engine. Mittlerweile ist eine Testversion des Opera-Internetbrowsers erschienen, der dann Mitte 2007 kostenpflichtig wird (auch für Testversion-Besitzer). Der Wetterkanal ist mittlerweile freigeschaltet, der News-Channel lässt noch auf sich warten.

WiiConnect24 bedeutet, dass das Gerät auch im Standby-Modus mittels WLAN (optional: per LAN-Kabel) mit dem häuslichen Internet-Router verbunden bleibt, und so etwa nachts Spiele-Updates downloaden kann, oder die eigenen Avatare auf Wunsch auf andere Wiis „beamt“. Gerüchteweise könnte eine weitere Nutzungsform sein, biespielsweise bei Animal Crossing das Dorf eines Freundes zu besuchen, der gerade gar nicht spielt. Bislang tut sich bei mir in Sachen WiiConnect24 allerdings noch nichts, obwohl ich im Internet bin und den Shopping-Kanal nutze.

Technisches

Der Controller wirkt in diesem Bild im Vergleich etwas zu groß.

Die Abmessungen der Wii betragen (ohne den Standfuß) gerade mal 4,4 x 21,5 x 15,7 cm. Die Spiele befinden sich auf einer optischen Disk (ein- oder zweilagig) mit 12 cm Durchmesser. Trotzdem werden auch die kleineren Gamecube-Disks abgespielt. Man kann die Konsole quer oder hoch aufstellen. Der 512 MByte große interne Speicher macht Speicherkarten überflüssig, trotzdem lassen sich GameCune-Speicherkarten (sowie GameCube-Controller) einstecken. Handelsübliche SD Cards werden gelesen (Fotos!); man kann auch Spielstände auf sie kopieren. Zwei USB-2.0-Ports erlauben den Anschluss weiterer Peripherie. Der Soundchip erschafft Raumklang der Marke Dolby Pro Logic II. Die geringe Größe im Vergleich zu den ungleich wuchtigeren Nextgen-Konsolen von Microsoft und Sony liegt auch an der bescheideneren Technik.

Auf einem NTSC-fähigen Breitbildfernseher (sowas habe ich zufällig, ein knapp neun Jahre altes, großes Analoggerät von Thomson) schafft die Wii eine Auflösung von 480i – also 480 Zeilen Interlaced, das heißt die Zeilen werden abwechselnd aufgebaut statt alle gleichzeitig. 480i entspricht im Breitbildmodus ganz grob einer PC-Auflösung von ca. 800×480, ist also alles andere als schlecht. Das Pal-Bild hat weniger Punkte, flimmert aber dank 60 Hz statt 50 Hz weniger. Mit HD-Bildschirmen sind auch flimmerfreie 480p möglich. Leider liegt der Wii liegt nur ein billiges Cinch-Videokabel bei. Mit dem demnächst erhältlichen VGA-Kabel (für überteuerte 30 Euro) dürften die Farben auf Analoggeräten noch etwas kräftiger werden, und für HD-TV-Besitzer ist das ebenfalls 30 Euro teure Komponentenkabel Pflicht. Trotzdem war und bin ich sehr angenehm überrascht von der Bildqualität: Selbst klein dargestellte Texte sind gut lesbar und das Flimmern ist keineswegs störend.

Keine Kinderkonsole mehr

Obwohl die Wii sicher die familienkompatibelste der neuen Konsolen ist, fällt eines auf: Für Nintendo-Verhältnisse sind extrem viele altersbeschränkte Spiele angekündigt. Schon bei der ersten Spiele-Welle (siehe Kasten) sind fünf Egoshooter dabei, die mit Sicherheit nicht in Kinderhand gehören. Was früher undenkbar für Nintendo gewesen wäre, unterstreicht nun die Ambition der Firma: Mit der Nummer-3-Position will man sich in dieser Konsolengeneration nicht zufrieden geben.

Ich persönlich habe das Gefühl, einen sehr guten Kauf gemacht zu haben: Für einen (halbwegs) jungen Vater ist die Wii sowieso die beste Wahl, Stichwort „nicht nur Rumsitzen beim Spielen“. Aber auch als Veteranen-Spieler, der ich nunmal bin, hat mir die Konsole einiges zu bieten. Die Steuerung ist tatsächlich ganz anders als das seit Jahren Gewohnte – Command&Conquer-3-Oberboss Louis Castle sagte mir kürzlich, er erwarte durch die neue Eingabegeräte („Frontend“) auch ganz neue Spiele, mit einer ganz anderen Darstellung („Backend“) als wir bislang gewohnt sind. Da könnte er Recht behalten. Und bei den Launch-Titeln dürfte fast für jeden Geschmack einer dabei sein, der in den ersten Wochen völlig ausreicht. Wer also seine Weihnachtsgelder Anfang Januar sinnvoll investieren möchte (ab dann dürfte auch die extreme Angebotsknappheit der Wii langsam besser werden), sollte auch als PC-Spieler mal über diese Konsole nachdenken.

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Artikel (c) Jörg Langer, 2006

 

P.S. Die erste Wii-Spielewelle (bis Anfang 2007)

Blazing Angels (Ubisoft): Action-Flugsimulation
Call of Duty 3 (Activision): Egoshooter
Cars (THQ): Rennspiel
Elebits (Konami): Action
Excite Truck (Nintendo): Rennspiel
Far Cry: Vengeance (Ubisoft): Egoshooter
GT Pro Series (Ubisoft): Rennspiel
Happy Feet (Midway): Jump’n Run
Legend of Zelda: Twilight Princess (Nintendo): Action-Adventure
Madden NFL 07 (EA): American Football
Marvel: Ultimate Alliance (Activision): Action-Rollenspiel
Monster 4×4 World Circuit (Ubisoft): Rennspiel
Metroid Prime 3: Corruption (Nintendo): Egoshooter
Need for Speed Carbon (EA): Rennspiel
Open Season (Ubisoft): Jump’n Run
Rampage: Total Destruction (Midway): Geschicklichkeitsspiel
Rayman Raving Rabbits (Ubisoft): Jump’n Run
Red Steel (Ubisoft): Egoshooter
SpongeBob: Krusty Krab (THQ): Jump’n Run
Super Monkey Ball: Banana Blitz (Sega): Geschicklichkeitsspiel
Splinter Cell: Double Agent (Ubisoft): Egoshooter
Tony Hawk’s Downhill Jam (Activision): Sportspiel
Wii Play (Nintendo): Minispiel-Sammlung
Wii Sports (Nintendo): Sportspiel-Sammlung, liegt bei