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Boris Becker

“Ich gehe nicht davon aus,

dass ich verliere!“

Boris Becker will auch am

Auch sieben Jahre nach Ende seiner Profikarriere ist der dreimalige Wimbledon-Sieger Boris Becker noch ein beliebter Werbeträger. In einer kürzlich gestarteten DSF-Show tritt der Tennisstar zur Primetime gegen ganz normale Leute an. Und zwar beim PS2-Quizspiel Buzz. Jörg Langer sprach in München mit Boris Becker, der sich als Videospiele-Fan entpuppte.

 

Jörg: Also, Herr Becker, wenn die WG beim DSF-Format “Sofaduell - das Playstation-Quiz” gegen Sie verliert, muss sie ihren liebsten Gegenstand hergeben. Was passiert, wenn Sie verlieren?

Boris Becker: Dann gibt es natürlich Preise für die WG. Aber ich gehe nicht davon aus, dass ich oft verliere. Ich kenne mich in der Welt des Sports aus, vor allem natürlich beim Tennis. Wenn ich eine Tennis-Frage verliere, brennt die Hütte! Aber ich kenne mich auch bei Fußball aus und bei Golf, und bei den amerikanischen Sportarten. Wo ich vielleicht Schwachstellen habe, ist Frauen-Handball oder Badminton. Ich fühle mich insgesamt gut gewappnet. Außerdem bin ich mittlerweile spieleaffin, das liegt vor allem an meinen Söhnen. Am Anfang, auf Playstation 1, habe ich immer verloren. Auf Playstation 2 wurde ich dann besser, und bei Playstation 3 muss ich gewinnen. Da geht es um den familiären Stolz!

Boris spielt regelmäßig Fußball- und Basketball-Videospiele.

Jörg: Jetzt mal ernsthaft: Ihre Söhne lassen Sie doch bestimmt alt aussehen, rein von den Reaktionen her!

Boris Becker: Ich weiß ja nicht, was ich heute morgen falsch gemacht habe, dass Sie das fragen, aber ich bin noch in einem Alter, wo ich reaktionsfähig bin. Und Konzentration habe ich auch noch!

 

Jörg: Also lassen Ihre Söhne Sie nicht gewinnen?

Boris Becker: Am Anfang habe ich gnadenlos verloren. Aber das hat sich gedreht, jetzt hole ich auf!

 

Jörg: Sie waren in Ihrer aktiven Tenniskarriere durch einen unglaublichen Siegeswillen gekennzeichnet. Ist das nun daheim im Wohnzimmer genauso?

Boris Becker: Das ist eine Charakterfrage. Ich weiß nicht, ob irgendwer gerne verliert. Ich gehöre auf jeden Fall nicht dazu!

Buzz - Das Sportquiz ist ein gelungenes Partyspiel für PS2.

Jörg: Wie muss ich mir das mit dem Sofa-Duell vorstellen: Klingeln Sie bei einer WG, dann wird kurz die Kamera aufgebaut, und es geht los? Oder gibt es eine Kennenlernphase, damit Sie nicht die ganze Zeit mit offenem Mund angestarrt werden?

Boris Becker: Das muss ich dann natürlich ausnutzen! Allzu lange dürfen die Kontrahenten mich nicht kennen lernen. Klar, die Produktionsfirma ist vorher da und bereitet alles vor, aber es gibt kein gemeinsames Abendessen vorher oder so etwas. Im Gegenteil, es ist ja Teil meiner Strategie, dass ich reinkomme und die Nervosität des Gegners ausnutze, um gleich mal die ersten fünf Fragen zu gewinnen.

Jörg: Was ist denn Ihr Lieblings-Spielegenre?

Boris Becker: Da bleibe ich schon beim Sport. Die neuen Fußballspiele, die neuen Basketballspiele, von diversen Herstellern. Da hat man mittlerweile das Gefühl, man kann die Schweißperlen auf der Stirn der Sportler berühren. Es ist sagenhaft, was die Technik da geschaffen hat. Gerade bei den NFL- und NBA-Spielen ist es Wahnsinn, wie klar das aussieht und wie schnell das ist. Das Tackling kann man richtig hören zuhause.

 

Jörg: Mich wundert, dass Sie wirklich Videospiele zu kennen scheinen. Sie müssten doch einen total dichten Terminkalender haben!

Boris Becker: Den habe ich in der Tat, aber ich habe auch mal Feierabend. Und ich verbringe viel Zeit mit meinen Kindern. Die sind 13, 7 und 6 Jahre alt. Und die beiden Jungs sind richtige Spieler, schon seit Jahren. So ist meine Spielleidenschaft entstanden.

Boris Becker bei einer Proberunde mit dem Quiz-Spiel Buzz.

 

Jörg: Lassen Sie Ihre Kinder alles spielen, was es so gibt?

Boris Becker: Nein, nein. Da muss man schon drauf schauen, denn es gibt ja die unmöglichsten Spiele auf dem Markt. Aber je älter die Kinder werden, desto freier können sie sich entscheiden.

 

Jörg: Sie wohnen ja jetzt in der Schweiz. Ist dort die Einstellung zu Spielen anders als in Deutschland?

Boris Becker: Ich glaube, gegen die Evolution der Konsolen kann man nichts machen. Die Kinder finden das Thema wichtig und gut, und natürlich auch die Spiele. Insofern ist das einfach eine Realität, und zwar landesunabhängig.

Jörg: Spielen Sie auch auf dem PC?

Boris Becker: Nein. Und ich spiele kaum Tennissimulationen, da liebe ich das echte Spiel einfach mehr. Da kommt eine Umsetzung einfach nicht dran.

 

Jörg: Glauben Sie, für einen Profi-Fußballer ist das ähnlich, wenn er ein Pro Evolution Soccer oder ein Fifa spielt? Dass er sagt, mit der Wirklichkeit habe das wenig zu tun?

Boris Becker: Gute Frage. Ich glaube, bestimmte Sportarten sind als Videospiel besser entwickelt. Dazu gehört Fußball, dazu gehören die amerikanischen Sportarten. Tennis gehört leider noch nicht dazu.

Tennisspiele wie TopSpin 2 sind Boris Becker zu wirklichkeitsfremd.

 

Jörg: Mit Ihrem ersten Wimbledonsieg 1985 haben Sie einen wahren Tennis-Boom ausgelöst in Deutschland. Heutzutage ist Tennis bei uns längst nicht mehr so populär.

Boris Becker: Ich glaube nicht, dass die Zeit des Tennissports vorbei ist. Das hängt aber natürlich von Idolen ab, von Siegern. Wir haben gute Spieler aktuell, aber wir haben keinen deutschen Wimbledon-Sieger. Da liegt das Problem!

 

Jörg: Wenn Sie sich das moderne Tennis anschauen und einen Roger Federer – das ist ja ein ganz anderer Stil als zu Ihrer Zeit. Einfach immer ans Netz vor, um zu punkten, das scheint gar nicht mehr möglich zu sein durch die heutige Spieltechnik und das heutige Material.

Boris Becker: Das Material spielt natürlich eine große Rolle. Die Technik nicht! Aber durch das Material kann man sehr viel mehr Druck von der Grundlinie aus erzeugen als früher. Wir sind ja früher deshalb immer ans Netz gegangen, um dort dann den Punkt zu machen.

 

Jörg: Die Spieler haben heute weniger Zeit pro Schlag. Sind die modernen Spieler noch athletischer, als Sie das mit Ihrem kraftbetonten Stil waren?

Boris Becker: Ich glaube nicht, dass sich die Athletik verändert. Das Spiel wird natürlich schneller. Die heutigen Spieler müssen also schon fit sein. Aber wenn ich an einen Björn Borg denke, wie fit der war, oder an einen Pete Sampras, da unterscheidet sich nichts.

 

Jörg: Nochmal zu den Videospielen: Sport mögen Sie gerne, was ist denn mit Rennspielen?

Boris Becker: Auch. Aber ich mag mehr die Ballsportarten. Golfsimulationen habe ich auch sehr gerne.

 

Jörg: Und Ihr All-time-favorite?

Boris Becker: Das ist schwer, weil ja die neuen Spieleversionen die alten verdrängen. Meine Lieblingsserie ist NFL. Man kann da als Spieler wirklich viel entscheiden, beim System, bei der Strategie. Und was mir großen Spaß macht: Man kann die Figuren aussuchen, also ob man besonders groß oder dick oder klein sein will, ob man schwarze Haare haben will oder rote. Das mag ich sehr!

Jörg sprach mit Becker im Münchner Mandarin Oriental Hotel.

Jörg: Und im Fernsehen, was schauen Sie da am liebsten? Bestimmt nicht Tennis!

Boris Becker: Am liebsten ist mir insgesamt Fußball. Und Basketball.

 

Jörg: Ihre Zeit als Tennisprofi ist seit sieben Jahren vorbei, aber Sie sind immer noch eine „Marke“. Wieso?

Boris Becker: Ich denke, dass ich mich schon bewegt habe, also beruflich weiterentwickelt habe in den letzten sieben Jahren. Und dass ich eben nicht nur „der ehemalige Tennisspieler“, der „Ex-Boris“ bin. Ich glaube, das ist der Hauptgrund.

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Interview (c) Jörg Langer, 2006