-->

Windows Vista

Zwangsumstieg für Spieler?

vista_00_logo.jpg

Auch für Privatkunden ist Windows Vista seit 30. Januar erhältlich. Es ist teuer in der Anschaffung, voll auf Spiele-Performance ausgelegt und der Startschuss für plattformübergreifende Multiplayer-Partien.

 

Das neue Windows lässt Spieler momentan völlig kalt: Wie einschlägige Spielemagazine und Websites herausgefunden haben, laufen aktuelle Titel unter Vista maximal gleich schnell, tendentiell aber etwas langsamer (32-Bit-Version) oder sogar deutlich langsamer (64 Bit), als unter Windows XP. Was viele nicht wissen: Spieler werden voraussichtlich schon in zwei bis drei Jahren zwangsweise auf Vista umsteigen müssen. Und das ist bitter, denn wer sich keine support- und handbuchlose „System Builder“-Version besorgt (was meine klare Empfehlung ist!), muss selbst für die Home-Basic-Version 260 Euro zahlen.

vista_02_transparenz.jpg

 

Installation und Technik

Windows Vista installiert sich schneller und bootet flinker als XP. Allerdings ist es auch deutlich hardwarehungriger. Die offiziellen Minimumangaben von 512 MByte RAM und einer 800-MHz-CPU sind ähnlich wirklichkeitsnah wie die Aussage eines Maklers, der Steinway-Konzertflügel passe ins Ein-Zimmer-Appartment: Wer alle Funktionen nutzen will, braucht einen der neuesten AMD- oder Intel-Prozessoren und mindestens 1, besser 2 GByte RAM (letzteres ist für die 64-Bit-Version von Vista Pflicht). Windows Vista entscheidet bei der Installation, ob es sich als 32-Bit- oder 64-Bit-Betriebssystem installiert. Letzteres bringt auf Prozessoren der Serien Athlon 64 oder Intel Core2Duo merkliche Tempovorteile, sofern eine Software auf 64 Bit optimiert ist. Der Speicherbedarf von Vista ist in jedem Fall enorm; auf typischen 1-GByte-Systemen wird fast die Hälfte belegt. Die Festplatte muss noch mal über 9 GByte schlucken (Ultimate-Version). Während Windows XP mit rund 10.000 Treibern ausgeliefert wurde, sind es bei Vista fast doppelt soviel, dazu kommen rund 12.000 via Windows-Updatefunktion. Der Anwender wird deshalb eine große Chance haben, dass seine individuelle Hardware sofort erkannt wird.

Aero Glass und andere Neuerungen

Dank neuer Bedienoberfläche Aero sieht Vista schicker aus als der bunte Vorgänger. Im wesentlichen wirken die Rahmen der Fenster wie halbtransparentes Rauchglas, durch die man das Dahinterliegende leicht verzerrt sehen kann — schöner Effekt! Zu den inhaltlichen Neuerungen gehören die bei den MacOS-Widgets abgeschauten Plugins: In der neuen Desktop-Sidebar lassen sich etwa Kalender, Wettervorhersage oder Notizblock dauerhaft anzeigen. Wer eine DirectX-9-Karte mit mindestens 128 MByte RAM besitzt, wird zudem von der schicken Variante „Aero Glass“ verwöhnt: Fenster scheinen auf transparente Glasscheiben projiziert, butterweiche Schatten erfreuen das Auge. Neben dem gewohnten Taskwechsel (TAB + ALT) gibt es eine Funktion, alle aktuellen Anwendungen als große, dreidimensionale, teiltransparente Fenster hintereinander anzuordnen ­– das sieht toll aus und sorgt für Übersicht. Auf schwächeren Systemen muss der Nutzer mit Aero Basic vorlieb nehmen.

vista_01_fenster-hintereinander.jpg

Einsteiger soll der Umgang mit Windows Vista leichter fallen als mit Windows XP http://storecialis.net/cialis-daily/. So zeigt eine zusätzliche Menüleiste die momentan wahrscheinlichsten Befehle an, zum komfortablen Anklicken. In Sachen Sicherheit bietet Vista eine verbesserte Firewall, die sowohl den ein- als auch den ausgehenden Datenverkehr kontrolliert. Ein Spyware-Blocker ist enthalten, Änderungen der Firewall-Einstellungen oder das Installieren von Spielen erfordern die Kenntnis des Administrator-Passwortes. Und leider auch so ziemlich alles andere, so muss man, als Administrator angemeldet, sogar das Überschreiben einer Datei zweimal bestätigen. Auch die (vielen) alten Tools wie WinRAR et cetera, die man weiterbenutzen möchte, erfordern immer wieder eine Extrabestätigung, weil sie nicht “zertifiziert” sind. Das nervt gehörig. Gut: Eltern können nicht nur eine Altersfreigabe für Spiele vergeben (auf Grundlage der USK-Einstufung) sowie bestimmte Nutzungszeiten definieren, sondern auch Websitess oder Website-Typen sperren.

Acht Versionen

Mit sage und schreibe acht Vista-Varianten startet Microsoft in den Markt, von denen die Starter-Edition jedoch „Entwicklungsländern“ vorbehalten bleibt und die Enterprise-Version noch nicht erhältlich ist. Der normale Anwender dürfte vor allem die günstigste wählen, Vista Home Edition. Wer Filme in HD oder für DVD erstellen beziehungsweise seinen PC als Media-Zentrale nutzen möchte, entscheidet sich für Home Premium. Damit kann er nicht nur TV-Sendungen aufnehmen oder Fotos komfortabel auf dem Fernseher anschauen, sondern auch Filme vom PC auf eine etwaig vorhandene Xbox 360 streamen.

vista_03_alt-tab.jpg

Windows Vista Business enthält viele Tools für professionelle Anwender, darunter Windows Fax oder Gruppenrichtlinien, aber kaum Multimedia-Anwendungen. Die Enterprise-Variante bietet die Möglichkeit, bei Microsoft laufende Software “virtuell” in den Desktop einzubinden; das Programm befindet sich dann physikalisch nicht auf der Festplatte, verhält sich aber prinzipiell wie ein installiertes. Und die Ultimate-Version enthält schlichtweg alles, also sowohl die komplette Business- als auch die Multimediaseite. Bei den „N“-Varianten (siehe Kasten) handelt es sich um OEM-Varianten, bei denen aus kartellrechtlichen Gründen der Windows Media Player fehlt. Der Preis unterscheidet sich allerdings nicht von den „vollständigen“ Varianten, was die ursprüngliche Absicht der Kartellwächter ad absurdum führt.

Vista-Raubkopie: Geduldetes Verbreitungsinstrument?

Im Vorfeld kündigte Microsoft Funktionen an, die Vista stärker gegen Raubkopien abgesichert hätten als XP. Doch nun müssen Mehrlizenz-Versionen (Corporate Edition) doch nicht via Internet oder Telefon aktiviert werden. Lange Zeit war zudem zu befürchten, Windows Vista würde nach der zweiten wesentlichen Hardware-Änderung, etwa einem neuen Mainboard, nur noch mit guten Willen Microsofts neu aktivierbar sein. Nun stellen die finalen Lizenzbestimmungen klar: Vista darf hierzulande nach Hardware-Änderungen beliebig oft neu aktiviert werden. Vista wird ferner doch nicht den Betrieb einstellen, wenn es eine Lizenz als illegal erkennt (mittels Windows Genuine Advantage). Vielmehr wird es den Anwender per Sprechblase zum Erwerb einer Originalversion ermuntern und einige Nice-to-have-Funktionen abstellen, darunter die Aero-Oberfläche.

vista_04_sidebar.jpg

Für diese Lockerungen dürfte zum einen die Gesetzeslage in der EU verantwortlich sein. Doch auch eine weitere Ursache wäre denkbar. So erklärt Michael Trier, Stellvertretender Chefredakteur von GameStar: „Unter dem Gesichtspunkt der Marktdurchdringung muss es für Microsoft nicht schädlich sein, wenn sich Vista auch durch Raubkopien schnell verbreitet.“ Denn das Marktforschungsunternehmen Gartner geht davon aus, dass sich nur 4,2 Prozent aller PC-Nutzer bis Ende 2007 für Vista entscheiden werden. Da könnte es für Microsoft, gewollt oder ungewollt, vorteilhaft sein, wenn ihr neues Betriebssystem durch Raubkopien schneller eine kritische Masse erreicht. Michael Trier: „Falls es am Anfang wirklich leichter sein sollte, Vista raubzukopieren, könnte man nachträglich immer noch durch Patches die Lauffähigkeit beschränken.“ So ließe sich später ein Teil der unehrlichen Anwender doch noch in zahlende Kunden umwandeln.

DirectX 10: Zwang zum Umstieg ab 2008?

Die neue Schnittstelle zwischen Spiel und Hardware heißt DirectX 10. Im Vergleich zur 9er Version soll dieses schneller sein. Dazu kommen neue oder zumindest erstmals praktisch anwendbare Effekte wie etwa Displacement Mapping. Dieser Effekt lässt Oberflächen nicht nur dreidimensional wirken, sondern stellt sie mittels Polygonen tatsächlich in 3D dar. Auch die gleichzeitige asynchrone Animation zahlreicher Grafikobjekte (etwa der Bäume eines Waldes) ist mit DirectX 10 erstmals praxistauglich.

Obwohl gerade die ersten DirectX-10-tauglichen Grafikkarten auf den Markt kommen, wird sich die neueste Schnittstelle nicht sofort durchsetzen. Das liegt vor allem daran, dass DirectX 10 exklusiv Windows Vista vorbehalten bleibt. Frühestens ab Ende 2007, so Michael Trier, sei dabei mit den ersten DirectX-10-exklusiven Spielen zu rechnen. Doch immer mehr Titel werden in den nächsten Jahren in zwei Varianten (auf derselben DVD) erscheinen und unter DirectX 10 schöner aussehen. Ab etwa 2009 dürfte Windows XP dann zum Alteisen gehören. Spätestens dann sind Spieler zum Umstieg auf Windows Vista gezwungen.

vista_05ordner.jpg

Eine weitere Vista-Komplikation: Der EAX-Standard von Creative Labs, durch die Soundblaster-Karten weit verbreitet, wird von DirectX 10 nicht mehr unterstützt. Vielmehr erzeugt Vista Raumklang via DirectSound auch mit normalen Onboard-Soundchips. Creative Labs ist damit im Kerngeschäft bedroht, weil EAX ein wesentliches Verkaufsargument für ihre Soundblaster-Audigy-Karten ist. Die Firma versucht nun, die Spielehersteller zu überzeugen, neben DirectX auch OpenAL zur Soundgenerierung zu nutzen. Über diesen Umweg würde EAX weiterhin aktuell bleiben. Aktuell gibt es bereits Treiber für Soundblasterkarten, um ihnen mehr als nur Stereo-Sound zu entlocken. Aber: Andere Soundkarten-Chips, insbesondere günstigere Onboard-Soundchips, bleiben zurzeit oft ohne Raumklang. Diese Situation dürfte sich aber mit jedem Vista-tauglichen Mainboard immer weiter verbessern — wie auch allgemein die anfänglichen Treiberprobleme mittlerweile weniger häufig auftreten.

Live Anywhere: Verbindung der Spielewelten

Die in der Unterhaltungselektronik seit Jahren beschworene „Konvergenz“, also das nahtlose Ineinandergreifen verschiedenster Geräte und Medien, macht Microsoft mit Vista für Spieler wahr: Per Live Anywhere sollen zukünftige Windows-Spiele wie Halo 2 plattformübergreifend gegen Xbox-360-Besitzer spielbar sein. Auch die von Xbox Live bekannten Friendlist-Funktionen stehen Vista-Nutzern zur Verfügung. Microsoft will aber noch mehr: Sogar zukünftige Mobilgeräte (Handys, Smartphones und PDAs) mit Windows-Betriebssystem sollen sich via Live Anywhere in das Spiele-Netz einklinken können. Dann könnte sich ein Spieler auf dem Nachhauseweg mit Freunden verabreden und gleich noch eine neue Map erwerben, und zuhause auf dem Vista-PC sofort losspielen.

Soweit zur Theorie. In der Praxis ist aber zu erwarten, dass bei plattformübergreifenden Actionspielen die PC-User eindeutig bevorteilt sind: So schnell und zielsicher wie mit der bekannten Kombination aus Tastatur und Maus ist man mit keinem Gamepad. Während der demnächst erscheinende Shooter Shadowrun angeblich gemeinsame Server für Xbox 360 und PC bieten wird, hat Microsoft für Halo 2 PC mittlerweile angekündigt, dass es im Multiplayer-Modus doch nicht kompatibel zur Xbox 360 sein wird. „Live anywhere“ (auch „Live for Windows“) genannt ist das also noch nicht, eher „Live somewhere, sometimes“.

Mein persönlicher Rat als XP- und Vista-Nutzer: So schnell man sich an viele der neuen Vista-Komfortfunktionen gewöhnt, etwa die (animierten) Mini-Screens, die beim Mouse-over über einem minimierten Fenster erscheinen — unter dem Strich ist Vista noch zu neu, um nicht an allen Ecken Probleme zu bereiten, gerade für Spieler. Deshalb empfehle ich jedem, der Vista nicht sowieso mit einem neuen PC erwirbt, noch zu warten. Es besteht kein Zweifel, dass Vista das Windows-Betriebssystem der Zukunft ist. Aber die Zukunft kann auch noch in einem Jahr beginnen…

Zur News Zurück zur Startseite

Artikel (c) Jörg Langer

.

Info: Vista-Versionen

Vista Starter: (nicht in USA/Europa; funktionsreduziert)

Home Basic (260 € bzw. 140 € Update-Preis): Movie Maker, Jugendschutz-Funktionalität

Home Basic N : (260 €): nur OEM, kein Windows Media Player

Vista Home Premium (330 € bzw. 230 € Update): zusätzlich DVD/HD Movie Maker und Media Center

Vista Business (420 € bzw. 280 €): diverse Business- statt Multimedia-Anwendungen

Vista Business N (420 €): nur OEM, kein Windows Media Player

Vista Ultimate (550 € bzw. 350 €): alle Funktionen

Vista Enterprise (noch nicht bekannt/veröffentlicht): Spezielle Version mit voller Virtualisierungsoption, nur zusammen mit einem Software-Assurance-Abo